Ihr Untergang war beschlossen – die Kirche in Wust sollte zur abgesicherten Ruine werden und die Kattegruft ein Gemeinderaum, denn seit 1930 waren sie dem Verfall preisgegeben. Für ihre Sanierung fehlte der kleinen Kirchgemeinde einfach der Glaube, der Mut und das liebe Geld.

Holger Stephan (†), Sohn des Pfarrers, wollte das nicht hinnehmen. Zusammen mit zwei Freunden, Gerdmund Werth und Gerald Schüttler begann er am 1.11.1978 die Kirche instand zu setzen. Damit lösten die drei Jugendlichen in sprichwörtlich letzter Minute eine einzigartige Rettungsaktion für Kirche und Gruft aus (ein Jahr später schied Gerald Schüttler aus und dafür kam Burkhard Meier). Es war schon etwas besonderes, dass eine Kirchgemeinde in der DDR ihre Kirche rettete. Doch das Wunder war, dass sich daran nicht nur zahllose Jugendliche, sondern auch Erwachsene mit den unterschiedlichsten Weltanschauungen und Freunde aus der Bundesrepublik mit großem Eifer beteiligten und dass daraus ein neuer Zweig der Gemeindearbeit erwuchs, der heutige GuM.

Schon am 30.08.1980 fand das erste Kirchgemeindefest unter großer Beteiligung des ganzen Dorfes, der Umgebung und westdeutscher Freunde statt. Es war das Jahr, in dem wir als Kirchengemeinde allein sechsmal mit dem LPG–Bus nach Berlin ins Deutsche Theater fuhren, um die „Traurige Geschichte Friedrichs“ zu sehen.

In den wichtigsten Teilen restauriert, wurde die Kirche 1981 mit einem dreitägigen Fest übergeben. Am Sonnabend, dem 29.08. war der Anziehungspunkt ein großartiges Schattenspiel zur Geschichte des Hans Hermann von Katte, von Konfirmanden und der Jungen Gemeinde erarbeitet und aufgeführt. Der Festgottesdienst am Sonntag, dem 30.08. um 13.00 Uhr, brach alle Rekorde der Mitgestaltung und Beteiligung. Die Predigt hielt Pfarrer Drewes aus Bremen.

Ab 1982 führten wir zum ersten Mal ein von den Christelehrekindern, unter Anleitung ihrer Katechetin, Frau Hannelore Stephan, erarbeitetes Krippenspiel auf.

Zu Weihnachten 1996 wurde es überarbeitet und als Krippenspiel mit Gesang von Erwachsenen aufgeführt.

Ein Passionsspiel, von jungen Erwachsenen unter der Regie von Pfarrer Stephan geschrieben und geprobt, wurde Karfreitag und Ostern 1997 in allen Kirchen des Kirchspiels aufgeführt.

Schon während der Restaurierungsarbeiten kamen die ersten Besucher (1979), darunter auch einige „Berliner“ aus Ost und West. Es waren die ersten Besucher nach 1945. Sie waren von dem Gesehenen so beeindruckt, dass sie davon in der Presse berichteten.

Bald war Wust in aller Munde und man erinnerte sich, besonders auch durch die Preußenausstellung in Berlin, an das tragische Schicksal des Hans Hermann von Katte, dem Freund des Kronprinzen Friedrich (dem späteren Friedrich der Große). Der kleine Ort zog nun immer mehr Besucher in seinen Bann.

Anfangs führte Pfarrer Stephan die Besucher allein durch Kirche und Gruft. Dann kam der Rentner, Wolfgang Meier, der Kirchenrat, Siegfried Ketter und eine Konfirmandin, Katrin Anton, dazu bzw. unterstützten ihn. Das wachsende Interesse und die eingehenden Spenden für die Renovierung des Kirchturmes waren zwar Bestätigung und Lohn für die geleistete Arbeit, aber der steigende Besucherstrom überforderte die vier Kirchenführer schon bald. Kamen im Jahre 1983 noch weniger als 600 Besucher, waren es 1987 schon 2 250.

Der Beharrlichkeit Pfarrer Stephans ist es zu danken, dass 1987 bereits sieben ehrenamtliche Kirchenführer tätig waren. Sabine Stimming und Annett Komorowski wirkten in Wust mit und Frau Bienemann übernahm Führungen in ihrer Kirche in Melkow.

1990 waren es schon 3 000 Besucher, die geführt werden mussten. Um sachkundiger erklären und Fragen der Besucher besser beantworten zu können, gründete Pfarrer Stephan am 14. August 1991 den Kirchenführerkreis Wust-Melkow. Man traf sich alle vier Wochen und führte die durch Konfirmanden und Jugendliche schon 1985 begonnenen Forschungen weiter.

In der Sitzung am Donnerstagdem 30. Januar 1992 beschlossen die Anwesenden Wolfgang Meier, Annett Komorowski, Sabine Stimmung, Gerda Bienemann und Pfarrer Stephan auf seine Anregung hin, den Geschichtskreis der Kirchengemeinden Wust/Melkow zu gründen.

In der ersten öffentlichen Sitzung des Kreises am 11. Februar 1992 wäre beinahe aus dem Geschichtskreis ein Geschichtsverein e. V. geworden. Doch wir wollten unseren immer kleiner werdenden Kirchengemeinden die Treue halten. Nach klärenden Gesprächen wurde dann am 27. 02. 1992 endgültig der Geschichtskreis der Kirchengemeinden Wust–Wulkow gegründet, denn Horst Rietzke und Agnes Küsel aus Großwulkow und Helga Siegel aus Kleinwulkow wollten „ihre“ Kirchen auch Besuchern öffnen. 1994 kamen dann Frau Ingrid Reumann, Frau Wäscher und Frau Köppen dazu.

1997 wurde Frau Schönfeld, vorher ABM und Frau Jahns aus Briest für Führungen in der Kirche Wust gewonnen und in Melkow kam Frau Zarbock dazu. Im Jahr 2005 konnten so 7 650 Besucher durch unsere fünf kleinen Kirchen geführt und betreut werden.

Es ist uns gelungen, zahlreiche Besucher aus ganz Deutschland zu überzeugen, dass sie Freunde unserer Arbeit werden. So hat sich unser Kreis von Jahr zu Jahr vergrößert. Sie leisten vor allem ideelle und finanzielle Unterstützung und übernehmen Forschungsaufträge. Von Aachen bis Berlin, von Flensburg bis München zählt GuM heute ca. 100 Mitglieder und zahlreiche Freunde, die sich für unsere Arbeit interessieren. Sie alle haben sich der Erhaltung und Erforschung der alten Gotteshäuser im Kirchspiel Wulkow-Wust verschrieben.

Am 15. Mai 1998 vereinigten sich Geschichtskreis und Marionettenbühne und nennen sich GuM: Geschichtskreis und Marionettenbühne im Kirchspiel Wulkow – Wust.

Damit führt das Kreiskirchenamt nur noch eine Kasse für die beiden Kreise und wir können uns gemeinsam effektiver der Erhaltung unserer Kirchen widmen…

Seit 1999 bietet GuM (Geschichtskreis und Marionettenbühne) seinen Gästen und Besuchern, im Rahmen eines Pauschalangebots, die Möglichkeit neben den Besichtigungen der Kirchen, auch ein Märchenstück mit Marionetten in der kleinen Kirche Briest zu erleben. Außerdem gibt es Infos zu verschiedenen Themen bei Kaffee und Kuchen.

Weiterbildung / Führungsseminare

Pfarrer Stephan entwickelte mit den Mitgliedern 1992 ein Führungskonzept, das den Besuchern vor allem die religiösen Hintergründe des Kirchenbaues vermittelt. Denn Kirchen sind lebendige Zeugen einer anderen Welt oder Fenster, durch die der Mensch in die himmlische Welt blicken kann. Somit sind sie nicht allein Baudenkmale, die nur aus kunsthistorischer Sicht erklärbar sind.

Nur wer etwas von der Symbol– oder Bildersprache versteht, kann über die Bibel die Gedankenwelt ihrer Erbauer versuchen zu entschlüsseln.

Schon 1993 (von Nov. – März 1994) wurde auf Anregung von Pfarrer Stephan zusammen mit Herrn Naumann als Vertreter des Klostermuseums Jerichow, der Evangelischen Erwachsenenbildung Magdeburg und dem Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Tourismus das erste Seminar für Kirchenführer auf der Straße der Romanik vom Geschichtskreis geplant, organisiert und durchgeführt. Die Teilnehmer erwarben in einer Abschlussprüfung das Zertifikat als Kirchenführer.

Weitere Seminare, Referate zu bestimmten Themen folgten mindestens halbjährlich. Zu jedem Seminar gehört auch eine Weiterbildungsfahrt:

1993 nach Hildesheim

1994 entlang der Straße der Romanik

1997 nach Küstrin

Ab 1998 kontinuierlich jedes Jahr (Weserland/Braunschweig-Goslar/ Frankenland/ Speyer – Mainz / Kloster Beuron/ Köln, Aachen, Maastricht) Ein Höhepunkt war dann

2004 die Fahrt ins Elsass (Es war die letzte Fahrt, die unser Mitglied Marko Küchle, der seit 1998 alle Fahrten organisierte, wieder mit allen Raffinessen vorbereitet hatte)

2005 fuhren wir nach Mecklenburg (Vorbereitung Herr Hachtmann)

2006 in die Lausitz (Vorbereitung Herr Alex)

2007 nach Lübeck (Vorbereitung Herr von Katte)

2008 nach Rom (Vorbereitung Herr Blendermann)

2009 nach Burgund (Vorbereitung Herr Blendermann)

2011 nach Israel (Vorbereitung Herr Blendermann)